Turnverein Germania 1923

 Düppenweiler e. V.

 

 

 

Pützweiher

 

 

Der Pützweiher ist in Düppenweiler bekannt. Der Name allerdings trügt. Ein Weiher ist dort nicht vorhanden. Lediglich die Gemarkung trägt diesen Namen. Das Freizeitgelände liegt 3 Kilometer außerhalb von Düppenweiler an der Grenze zur Gemeinde Schmelz. Weiterhin steht auf dem Gelände eine Hütte, wie man auf dem Bild unten erkennen kann.

 

Das Gelände selbst dient als Ausgangspunkt für sportliche Aktivitäten wie z. B. Wandern und Laufen. Seit 1975 findet das alljährliche Zeltlager für Kinder und Jugendliche dort statt. Der Pützweiher kann und wird auch von anderen Vereinen genutzt.

 

Die Hütte bietet seit mittlerweile mehr als 30 Jahren Spaziergängern und Wanderern Schutz bei schlechtem Wetter. Sie ist unverschlossen und grundsätzlich für jeden zugänglich.

 

Der Pützweiher ist der Ort für die Outdoor-Aktivitäten des Turnvereins: dort treffen sich Läufer und Walker. Über Jahre wurde jedes Jahr am 1. Mai ein Fest dort gefeiert. Und selbstverständlich findet jedes Jahr in den Sommerferien das Zeltlager vom Turnverein dort statt.

 

 

 

 

 

Wie es dazu kam, dass der Turnverein über dieses Freizeitgelände verfügt, erzählt der ehemalige 1. Vorsitzende Alois Magard:

 

Freizeitgelände Pützweiher mit der „Germaniahütte“ - Stolz und Wahrzeichen des

Turnvereins „Germania“ 1923 e. V. Düppenweiler

 

Geburtsstunde der Idee

 

Es war im Sommer 1972, da saß ich als Vorsitzender des Turnvereins und Veranstalter des Zeltlagers „Auf den drei Eichen“ mit meinem Vorstand und den engsten Helfern am Lagerfeuer. Wir staunten alle, mit welcher Begeisterung die Turnerinnen und Turner unseres Vereins das seit 1969 eingeführte Jugendzeltlager in ihr Herz geschlossen hatten. In dieser Euphorie sagte kein Geringerer als Otmar Britz, der mich in seiner Funktion als Oberturnwart von Anfang an (also seit 1970) unterstützt hatte: „Wie wäre es denn, wenn wir selbst ein eignes Gelände kaufen könnten, um in eigner Regie auf eigenem Grund und Boden das Zeltlager des Turnvereins durchzuführen?“. Alle jubelten: „Das machen wir! – Diese Idee ist großartig.“.

 

Dies war die Geburtsstunde der Idee des Freizeitgeländes Pützweiher, obwohl damals noch niemand das Gelände und den Namen „Pützweiher“ kannte.

 

Suche nach einem geeigneten Freizeitgelände mit Anbindung an Wasser

 

Was zunächst einfach schien, war schwieriger als gedacht. Alle Grundstücke, die für unsere Zwecke geeignet erschienen, waren mit Kaufhindernissen behaftet. Das Hindernis lag in der Tatsache, dass diese Gemarkungen jeweils zur Nutzfläche von Landwirten gehörten, die grundsätzlich nicht die Möglichkeiten hatten, ihren Gesamtbestand an Bodenfläche zu verringern. Dieses Gesamtpaket der einzelnen Landwirte war im Normalfall auch zur Sicherheit an die Banken abgetreten. Schnell war klar, dass die Lösung nur im Tausch von Grund und Boden zu sehen war. Zunächst aber hatten wir kein Tausch-Objekt. Also blieb vorübergehende Ratlosigkeit.

 

Glücksfall – Angebot aus dem Ruhrgebiet

 

Inzwischen hatte sich herausgestellt, dass es nicht einfach war, im freien Handel Grundstücke in der Gemarkung Düppenweiler, die preislich erschwinglich waren und für die Bauern als Tauschobjekt in Frage kamen, zu finden. Zufällig erhielt zu dieser Zeit das Bürgermeisteramt Beckingen einen Telefonanruf. Es meldete sich eine Familie aus dem Ruhrgebiet. Sie erklärte, aus einer Erbschaft einige Grundstücke in der Gemarkung Düppenweiler erhalten zu haben. Da sie zu weit weg wohnten, erkundigten sie sich nach einem Kauf-Interessenten. Als Vertreter der Gemeinde Beckingen war unser damaliger Schriftführer – Alfons Britz – am Telefon. Alfons schaltete sofort und teilte mir dies

telefonisch mit. Eine Woche später fand ein Treffen in meiner Wohnung statt. Anwesend waren die Anbieter der Grundstücke und einige Vorstandsmitglieder des Turnvereins. Innerhalb von 2 Stunden waren wir uns einig. Am anderen Tag fuhr ich mit meinen Gästen bereits zum Notar. Wenn jemand nun der Ansicht ist, unter den Grundstücken wäre bereits der „heutige Pützweiher“ gewesen oder ein anderes zu unserem Zweck passendes Grundstück, der irrt. Wir hatten unser Zielobjekt noch nicht einmal im Auge – aber wir hatten ausreichend Tauschobjekte.

 

Unerfreulicher Nebeneffekt in der Bevölkerung von Düppenweiler

 

Damals war der Turnverein bekannt, finanziell gut versorgt zu sein. Dies war unter anderem auch ein Verdienst unseres Kassenwartes „Artur Klein“. Als sich nun im Dorf wie ein Lauffeuer die Kunde verbreitet hatte, der Turnverein habe Ländereien gekauft, unterstellte man uns Grundstücks-Spekulationen. Da wir auch einige Neider hatten, war dieses Gerücht ein willkommener Anlass zur Kritik.

 

Enttäuschung – unerfreuliches Gerichtsverfahren

 

Statt der Mitteilung, dass unser neues Eigentum zur Eintragung ins Grundbuchamt freigegeben wird, erhielten wir vom Landrat Merzig-Wadern eine Ablehnung, d. h. unser Kauf war zunächst einmal annulliert. Der Grund war der Einspruch einiger Landwirte, die ihr Vorkaufsrecht geltend gemacht hatten. Hierbei sollte man die gesetzliche Regelung kennen, dass hinsichtlich der Veräußerung von landwirtschaftlicher Nutzfläche den Bauern ein Vorkaufsrecht zusteht. Da der von uns ausgehandelte Preis sehr niedrig war, wollten natürlich sehr viele diese Grundstücke auch zu diesem niedrigen Preis haben. Wir argumentierten den Vorrang „öffentlicher Belange“ und wiesen auf unsere Jugendarbeit hin und die Hilfe für Wanderer, die das Gemeinwohl fördern sollten. Leider ohne Erfolg!

 

Somit entschloss ich mich im Namen des Turnvereins zur Klage gegen den Landrat Merzig-Wadern. Ich war mir meiner Sache sehr sicher, so dass ich ohne anwaltliche Vertretung vor Gericht zog. Das Ergebnis ist bekannt. Der Turnverein Düppenweiler bekam in allen Punkten Recht, und der Landrat musste beschämt zurückziehen. Unsere Grundstückskäufe wurden rechtskräftig.

 

Erwerb des heutigen Freizeitgeländes Pützweiher sowie Hinzukauf von 2 benachbarten Parzellen

 

Parallel zu dem laufenden Gerichtsverfahren wollte der Turnverein nicht abwarten, sondern tätig werden und Fakten schaffen. Als potentielle Tauschpartner erhielten wir nun Angebote von fast allen Bauern. Im Jahr 1974 wollte mir der Bauer Gregor Klein etwas Besonderes zeigen. Er lud mich in sein Auto und fuhr mit mir gemeinsam zum heutigen Freizeitgelände „Pützweiher“.

Gregor zeigte mir 3 Parzellen:

 

  1. das Wiesengrundstück, auf dem heute die „Germania“ Hütte steht

  2. ein schmales Kiefern-Grundstück in der Mitte

  3. ein weiteres bis zur Straße hin laufendes Wiesen-Grundstück, das seitlich an den Staatsforst Düppenweiler (heute Beckingen) grenzt

 

Die Parzelle zu a) gehörte Gregor Klein. Die anderen Parzellen waren 2 Familien Uder zuzuordnen, was ich bei der Einsicht ins Grundbuchamt feststellte. Gregor zeigte mir auch den Wasserlauf, der sich am unteren Ende dieser Grundstücke befindet und die Verbindung zum Staatsforst Hüttersdorf darstellt. Nun bot Gregor mir seine Parzelle als Tauschobjekt für eines der von uns gekauften Grundstücke an. Meine Begeisterung war unbeschreiblich. Ich ergriff die Hand von Gregor und schlug ein, natürlich unter dem Vorbehalt, dass mein Vorstand zustimmt. Dies war die Geburtsstunde des „Freizeitgeländes Pützweiher“.  Auch war es nun für mich nur noch eine Frage der Zeit, dass ich die beiden Nachbargrundstücke ebenfalls für den Turnverein erwerben konnte. Inzwischen sind wir rechtskräftige Eigentümer des gesamten Freizeitgeländes. Hinsichtlich des Staatsforstes erhielten wir die Erlaubnis zur Errichtung

Von Toilettenanlagen.

 

Erstes Zeltlager 1975 auf dem Gelände „Pützweiher“

 

Dieses Zeltlager war die Grundsteinlegung einer neuen Epoche in der Geschichte des Turnvereins. Schnell war die Wehmut durch den Abschied von „drei Eichen“ verflogen.

 

Germania-Hütte“

 

Planung – und schon die ersten Probleme

 

Es ist nicht selbstverständlich, dass sich diese Hütte, der wir den Namen „Germania-Hütte“ gaben, im Eingangsbereich unseres Sport- und Freizeitgeländes befindet.

 

Das erste Hindernis war die Genehmigung

 

Der Antrag, den ich beim Landrat des Kreises Merzig.Wadern stellte, wurde zunächst einmal abgelehnt. Der Grund lag diesmal im Einspruch der Jagdpächter.

Man argumentierte, dass an dieser Stelle ein besonderes Vorkommen an Wildwechsel sei. Diesmal aber konnte ich den Landrat umstimmen und alle Einwände im Vorfeld ausräumen, d.h. dem Turnverein blieb ein weiteres Gerichtsverfahren erspart. Mit Stolz nahm ich die Baugenehmigung in Empfang.

 

Schneller Baufortschritt der „Germania-Hütte“ 1976/1977

 

Dank der großen Begeisterung und dem unermüdlichen Einsatz vieler Helfer war die Blockhütte inzwischen so weit, dass auch Außenstehende sagten: “Das habt ihr gut gemacht“. Natürlich sollte die Einweihung dieser Blockhütte festlich begangen werden. Wir gaben ihr den stolzen und traditionsreichen Namen „Germania“ und legten das geplante Datum zur Einweihung auf den

 

01.Mai 1977

fest.

 

Brandstiftung – Vernichtung aller Träume

 

Es war die Nacht vom 03. Auf den 04. April 1977, ein Datum, das ich niemals vergessen kann. Ich selbst war nicht vor Ort, denn ich wohnte damals nicht in Düppenweiler, sondern in Dillingen. In aller Frühe klingelte mein Telefon. Am anderen Ende war mein Oberturnwart Otmar Britz, der auch im Ort als zuverlässiger Feuerwehrmann bekannt war. Otmar sprach bedrückt : “Alois, in der Nacht wurde unsere Hütte in Brand gesteckt!“. Ich erschrak und fühlte mich wie gelähmt. Bevor ich etwas fragen wollte, sagte Otmar : “Du brauchst nicht zu kommen, denn du kannst nicht mehr helfen.“. Damit war mir klar, dass die“ Germania-Hütte“ bis auf den Grund abgebrannt war.

 

Trotzreaktion – Wiederaufbau - wie ein Wunder: planmäßige Einweihung

 

Bereits an dem 04. April 1977 traf ich mich abends im Vereinslokal mit dem Vorstand und dem Turnrat. Angesichts des schlimmen Vorfalls gab es nur 2 alternative Fragen:

 

aufgeben, Kopf in den Sand stecken“

oder

trotz Schicksalsschlag – Wiederaufbau“

 

Bevor ich diese Sitzung eröffnete, wusste ich nicht, wie die Entscheidung ausfallen würde. Mit überwältigender Mehrheit fiel dann die Entscheidung:

 

Wiederaufbau – wir geben nicht auf!“

 

Bereits am anderen Tag begab ich mich nach meiner Arbeit zur Brand-Ruine auf den Freizeitplatz „Pützweiher“. Was ich da sah, das rührte mich zu Tränen. So viele Helfer hatte ich hier noch niemals gesehen. Hierunter waren auch viele, die nicht zu dem Turnverein gehörten. Man wollte einfach helfen und hatte schon an diesem 1. Tag mit Hilfe der Förster neue Bäume im Wald gefällt. In den Gaststätten von Düppenweiler wurden ebenfalls von Unbekannten Sammelbüchsen mit Spendenaufruf für den Turnverein aufgestellt.

Auch wenn ich dies schon öfter getan habe, dann wiederhole ich auch an dieser Stelle:Liebe Einwohner von Düppenweiler, wir sagen euch nochmals Dank für eure spontane und solidarische Hilfe. Der Turnverein wird dies nie vergessen!“.

 

Einweihung der Germania-Hütte am 01. Mai 1977

 

Dieses unglaubliche Ereignis würdigte die Saarbrücker Zeitung am 06. Mai 1977 mit einem Sonderbeitrag unter dem Motto: „Neues Leben aus der Asche“. Die Hubertusmesse wurde von unserem Ehrenmitglied Dr. Horst Baum in Begleitung von Pfarrer Winfried Schnur zelebriert. Für die besondere musikalische Begleitung sorgten die Waldhorn-Bläser „Rallye Trompes Moselle-Sarre“.

 

Fortentwicklung und Erhaltung der Tradition

 

Ungeachtet der erfreulichen Weiterentwicklung (z. B. Seilbahn, regelmäßige jährliche Jugend- und Erwachsenenzeltlager, Lauftreff usw.) blieb es dem Turnverein nicht erspart, erneut eine Brandstiftung hinnehmen zu müssen. Dieses Ereignis war in der Nacht vom 25. Bis 26. Mai 1983 und glich wie eine Kopie der ersten Brandstiftung. Auch hier bewies der Turnverein unter dem damaligen Vorsitzenden Gerhard Birringer Größe. Der nachfolgende Wiederaufbau grenzte ebenso an ein Wunder, ähnlich wie beim ersten Mal.

 

Euer Vorsitzender a. D.

Alois Magard

 

Alois Magard

 

 

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